Rede zur Klimaschutz-Enquete im Landtag

Wie könnt ihr es wagen? Was fällt euch ein? Seit mehr als 30 Jahren ist sich die Wissenschaft einig. Ihr sagt wir machen genug – obwohl die Politik und notwendigen Lösungen nicht in Sicht sind. Ihr sagt ihr hört und und versteht die Dringlichkeit …….

Das waren einige der Worte von Greta Thunberg in New York vor der UNO und wer verwundert ist über ihre sehr emotionale Rede und ihre Anklage, der wird spätestens in ein paar Jahren verstehen warum. Denn es ist wohl bereits 5 nach 12.

Hier der wichtigste Teil ihr Rede mit Untertitel

Das Burgenland hat in einem Bereich ganz massiv das Richtige getan und zwar bei der Energiegewinnung.

Es wird aber nicht reichen Windräder aufzustellen, eine Buslinie Richtung Graz zu schaffen, Klimaanpassungsregionen zu schaffen,…… Solange in weiten Bereichen weiter alles so läuft wie bisher. Solange eine Landwirtschaft beitrieben wird, die mit Kunstdünger und Gift arbeitet, solange weiter ha für ha Boden versiegelt wird, solange weiter Geld in den Straßenbau gesteckt wird, solange weiter Häuser gebaut werden, die nicht klimafit sind, solange weiter Lebensmitteln verschwendet werden,……..

Die burgenländische Politik ist nicht klimatauglich. Eure Verkehrspolitik ist nicht klimatauglich – eure Fahrradstrategie ist nicht klimatauglich, eure Raumplanungspolitk ist nicht klimatauglich – eure Landwirtschaftspolitik hat das Problem zumindest erkannt – aber klimatauglich ist sie noch lange nicht. Eure Energiepolitik geht in die richtige Richtung, aber klimatauglich ist sie deshalb nicht – weiterhin werden Erdgasheizungen gebaut und wird mit Öl geheizt. Eure Wirtschaftspolitik ist nicht klimatauglich.

Dabei hätten wir ideale Voraussetzungen unsere Hausaufgaben in Sachen Klimaschutz zu machen. Eisenbahngleise, sehr viel Sonne, viel fahrradtaugliche Ebenen, usw. wir könnten Vorreiter sein, sind wir aber leider bei weitem nicht. Im Wohnbau-Klimacheck von Global2000 rangierten wir auf dem vorletzten Platz, gemeinsam mit der Stmk. Weit abgeschlagen ganz hinten. Dank einer völlig verfehlten Verkehrspolitik und Raumplanung ist zB. Jennersdorf österreichweit auf Platz 3 was die Autodichte angeht – 700 Autos/ 1000 EinwohnerInnen. Die Bevölkerungsanzahl geht zurück, die Autoanzahl steigt. „Früher war ein hoher PKW-Motorisierungsgrad ein Zeichen von Wohlstand, heute ist er in der Regel ein Zeichen von Mangel. Mangel an öffentlichen Verkehrsverbindungen, Mangel an Nahversorgung und Mangel an Arbeitsplätzen“ sagt der VCÖ.

Wir haben sogar einen Exkanzler der sich lustig macht über Klimaschutzmaßnahmen. Er meint der Klimaschutz wäre übertrieben, da könnte man ja gleich sagen die Menschen sollen daheim frieren und am besten nicht lange leben, weil dann hat man weniger CO2-Emission. Als deutlicher kann man kaum sagen, wie wenig man kapiert hat – wie unwichtig man das Thema findet. Die FPÖ glaubt ja ohnehin nicht dran und alle hier im Raum, sind offenbar auch zB. der Meinung – ein Flughafenausbau geht sich locker noch aus, ihr habt mit Ausnahme von uns beiden alle dafür gestimmt, hier erst vor kurzem. Sorry aber dazu fällt mir nur ein Filmtitel ein „Denn sie wissen nicht was sie tun.“

Dabei ist eigentlich alles klar, bereits seit 5 Jahren gibt es den „Österreichischen Sachstandsbericht Klimawandel 2014“. 1000 Seiten, aber es reicht wenn man zunächst die Seiten 28-43 kennt, die nennen sich „Zusammenfassung für Entscheidungstragende“, darin heißte es u.a.: „Die Erreichung der Ziele für 2050 erscheint nur bei einem Paradigmenwandel in vorherrschenden Konsum- und Verhaltensmustern sowie den traditionell kurzfristig orientierten Politikmaßnahmen und Entscheidungsprozessen wahrscheinlich.“ Kurz und eindringlich werden die Auswirkungen auf die einzelnen Bereiche und Sektoren angeführt, sowie Maßnahmen der Minderung und Anpassung. Downloaden, lesen – handeln, ziemlich einfach. Aber, ich frage sie im Publikum, oder am Livestream, hätten sie etwas bemerkt von einem Paradigmenwechsel in der burgenländischen Politik? Ich nicht. Und, ich hab das hier schon mehrfach gesagt, das ist leichtsinnig, unverantwortlich und fahrlässig.

Was wird über die Periode Niessl und Doskozil einmal in den Geschichtsbüchern stehen? Sie waren jene die noch etwas ändern hätten können, leider haben sie sämtliche Warnungen ignoriert und die Chance auf eine positive Veränderung und Anpassung kaum genutzt. Damit haben sie den Lebensraum Burgenland der Klimakrise schutzlos preisgegeben.

Was wäre konkret nötig:

1. Keine Neuzulassung von Diesel- und Bezinautos ab 2030
2. Ausbau Erneuerbare Energien = Eine-Million-Dächer-Programm beim Solarausbau
3. Schienen/Öffiausbau + 365-Euro-Ticket
4. Kreislaufwirtschaft, Mehrweg statt Einweg inkl. Pfandsystem
5. Gebäudesanierung = von 0,1% Sanierungsrate auf 3%
6. Klimacheck für Gesetze & Investitionen haben wir zwar, aber demnach hätte das Raumordnungs-Gesetz nie beschlossen werden dürfen
7. Ökosoziale Steuerreform = natürlich braucht es eine CO-Steuer mit Ökobonus

Schweden hebt sie seit 1991 ein. Bis 2013 ging der Ausstoß an Klimagasen um fast 14 Prozent zurück, obwohl sich im gleichen Zeitraum die Wirtschaftskraft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), um 60 Prozent wuchs. Inzwischen steigt der CO2-Ausstoß wieder, es gehört nachgeschärft.

Klimafreundliche Produkte und Verhalten muss günstig sein und klimaschädliches teurer. Aktuell ist es oft umgekehrt. Diesel ist steuerlich begünstigt, Flugzeugsprit Kerosin ohne Mineralölsteuer,….. Es kann doch nicht sein, dass ich für eine Fahrt von Oberwart nach Wien und retour im G1-Bus fast schon 40 Euro zahle. Das ist nicht nur klimaschädlich, sondern auch sozial schädlich – deshalb braucht es das 365-Euro-Ticket, aber auch günstige Einzelfahrten. Ich hoffe wir werden hier bald mehr Klimaschutz beschließen und auch konsequent umsetzen was längst nötig ist.

E-Auto-Fakten

Es ist unglaublich wie viel Unsinn, wie viele Lügen und Falschinformationen über E-Autos verbreitet werden.
Hier ein paar Klarstellungen:

Zuerst Grundsätzliches:

  • Nein das E-Auto ist kein Allheilmittel gegen das Verkehrsproblem, oder den Klimawandel. Aber ein guter Schritt raus aus den fossilen Energieträgern, die den größten Anteil an der Klimakatastrophe haben.
  • Um die Probleme zu verkleinern, die der Verkehr verursacht (Bodenversiegelung, CO2-Ausstoß, Lärm,…..) reicht es bei weitem nicht Autos, mit Verbrennungsmotor (Verbrenner) gegen E-Autos auszutauschen. Wir brauchen generell viel weniger Individualverkehr, weniger Autos.
  • Dafür braucht es v.a. viel mehr Öffis, die viel günstiger sind (365-Euro-Ticket,…), mehr Carsharing, ………
  • ABER, selbstverständlich ist das E-Auto um ein Vielfaches besser, als sein Bruder, der Verbrenner.
  1. Energieeffizienz: Ein Verbrenner nutzt lediglich ca. 20% der eingesetzten Energie (Erdöl) für die Fortbewegung, der Rest ca. 80% wird Hitze erzeugt, sinnlose Hitze. Verbrenner sind also eher fahrende Öfen, eine unglaubliche Energieverschwendung. Bei E-Autos ist die Energienutzung genau umgekehrt, also fast 80% für die Fortbewegung.

    Grafik-Quelle: Verkehrsclub Österreich https://www.vcoe.at/
  2. Erdöl ist eine Katastrophe – bei der Förderung, beim Transport, bei der Verarbeitung, beim Verbrauch. Ganze Landstriche sind Öl-verseucht. Erdöl hat bereits dermaßen viel angerichtet und tut dies heute noch – sowohl ökologisch, als auch menschenrechtlich, Details dazu im Greenpeace-Dossier: Die schmutzige Spur des schwarzen Goldes. Ein Statement daraus: „In den Industrieländern wird das Öl verheizt, die Ölreserven jedoch befinden sich überwiegend in den ärmeren Regionen der Welt, häufig in Gebieten von indigenen Völkern und Minderheiten. Diese haben ebenso wie bedrohte Tierarten keine Lobby, um sich gegen die Zerstörung ihres Lebensraums zu wehren.“
  3. Ja, auch die Rohstoffe für E-Autos, v.a. Lithium und Kobalt, werden oft nicht sauber und nicht fair produziert. Allerdings wird das besser und der Anteil von Kobalt in den Akkus der E-Autos immer weniger. Zu bedenken ist auch, dass man  die Rohstoffe für ein E-Auto einmal braucht, Erdöl für Verbrenner braucht man andauernd neu. Dazu kommt, dass das nicht ausschließlich ein Problem des E-Autos ist, sondern unseres irren Wirtschaftssystem – Erdöl, Kakao, Gold, Kaffee, Baumwolle, Kleidung generell,…… alles wird am Rücken der ärmsten Länder gefördert oder produziert. Das ist unfair und gehört geändert, keine Frage.
  4. Strom: Insgesamt brauchen E-Autos also weniger Energie (siehe VCÖ-Grafik oberhalb) und man kann diese regional und sauber produzieren. Die E-Tankstellen in Österreich werden alle mit Ökostrom versorgt. Ich lade unser E-Auto (per Programmierung) möglichst mitten in der Nacht. Zu einer Zeit, in der immer ein totales Überangebot an Strom zur Verfügung steht (natürlich auch daheim 100% Ökostrom). Das Nachtladen geht nicht immer, aber sehr oft.
  5. Woher der viele Strom kommen wird? Diese Frage stellt sich meiner Ansicht nach nicht, wir werden ihn erzeugen müssen und sparsamer damit umgehen lernen. Da der Umstieg auf E-Autos ohnehin nach und nach passiert, wird die Umstellung möglich sein. Würden alle Pkw elektrisch fahren, würde der Strombedarf um rund 18% steigen. Wie eine aktuelle Studie der TU Wien zeigt, ist eine 100%ige Abdeckung des heimischen Strombedarfs mit erneuerbarer Energie bis zum Jahr 2030 umsetzbar – und das ohne signifikante Mehrkosten. (Quelle: Faktencheck E-Mobilität)

    Quelle der Grafik: VCÖ https://www.vcoe.at/publikationen/infografiken/e-mobilitaet
  6. Feinstaub: Viel Feinstaub entsteht durch Reifenabrieb und Streugut, bzw. Aufwirbelung durch Autos – kein Unterschied ob E-Auto oder Verbrenner. ABER, v.a. der Diesel spuckt anständig krebserregenden Micro-Feinstaub aus. Dazu kommt, dass auch beim Bremsen viel Feinstaub entsteht – beim E-Auto braucht man die Bremsen jedoch weniger, da durch die Rekuperation das Auto ohne Bremse Tempo reduziert und gleichzeitig Strom in den Akku lädt.
  7. Akku-Entsorgung: Abgesehen davon, dass v.a die teuren Rohstoffe wieder verwendet werden können – sie sind ja kein Verbrauchsmaterial – können Akkus zuerst als Energiespeicher für Photovoltaikanlagen weiterverwendet werden und im Vergleich zu Verbrennungsmotoren, Ölwanne, Katalysator, Benzintank, verrußter Auspuffanlage, ….. ist der Akku mindestens nicht schlechter, wohl weit besser.

ERGÄNZUNG (18.Nov.19) Das Recycling von 95% eines Akkus, wird bereits jetzt durchgeführt. Noch selten, weil es zu wenige Alt-Batterien von E-Autos gibt, hier das Video dazu:

Das bedeutet auch, dass es irgendwann kaum mehr neue Rohstoffe braucht, weil der Großteil aus dem Recycling kommt. Außerdem wird der CO2-Fußabdruck der Batterieherstellung um bis zu 40% kleiner.

  1. Reichweite: 200km sind heute für E-Autos kein Problem mehr. Aber wie viele Autos werden Tag-ein-Tag-aus lediglich für höchstens 50km verwendet? Der Großteil der täglichen Wege liegt weit unter 50km. Natürlich gibt es Menschen, die größere Reichweiten brauchen, dafür gibt es inzwischen auch Angebote der Hersteller, die bald mehr werden. Allerdings sind kleinere „normale“ Autos, wie ein Renault ZOE mit ca. 130km-Reichweit (kleine Akkuversion) oder ca. 200km-Reichweite meist ohnehin ausreichend und SUV und Co. ohnehin nicht mehr zeitgemäß.

Für Kurzstrecken werden wir am Land weiterhin PKW brauchen, möglichst E-Autos gemeinschaftlich genutzt, über Mitfahrapps am Handy, … Für weitere Strecken braucht es einen massiven Ausbau der Öffis, die dann v.a. elektrisch fahren (v.a. die Bahn). Vor allem aber braucht es endlich ein anderes Wirtschaftssystem – fairer Handel anstatt Freihandel.

Nicht meine Rede

Bei der Landtagssitzung am 29. März gab es einen Tagesordnungspunkt bei dem es inhaltlich nichts zu sagen gab. Daher hab ich meine Landtagsstimme Julia Zink geliehen. Julia ist Klimaschutzaktivistin im Burgenland und Teil der #fridaysforfuture-Bewegung. Seit Wochen steht sie jeden Freitag eine Stunde vor Schulbeginn in Oberschützen am Hauptplatz und demonstriert für Klimaschutz. Dazu fährt sie extra mit dem Rad um ca. 5:30 von Pinkafeld nach Oberschützen. Früher stand sie dort alleine, inzwischen unterstützen sie doch einige.

Mein Besuch bei Julia auf ihrem fixen Demoplatz in Oberschützen.

Hier nun ihre Rede:

Eine Welt, die auseinander fällt.
Mehr brauche ich nicht zu sagen. Wir im Wohlstand lächeln und leben blind vor uns dahin – gierig, geizig, gnadenlos. Welche Wirkung unser unachtsames, unreflektiertes kapitalistisches Konsumverhalten auf Umwelt, Mitmenschen, Zukunft, und schließlich auch uns selbst hat, wissen wir im Grunde alle. Doch es ist unsere Bequemlichkeit, welche uns letztendlich zum Verhängnis werden wird.
So liegt es an uns, nachzudenken, umzudenken, querzudenken. Die Umweltproblematik ist nicht bloß ein Thema, welches die „Grünen“ betrifft. Für „Blau“, als auch „Rot“, Türkis oder „Neos“, sollte diese Angelegenheit an oberster Priorität stehen – für jeden von uns!
Lasst uns doch unsere Trägheit überwinden, der Wahrheit wacker ins Gesicht blicken und erkennen, und einsehen, dass wir unsere Lebensweise grundlegend verändern müssen. Wir müssen reflektieren und reduzieren – auch wenn es anfangs bitter ist.
Nachdenken – umdenken – querdenken. Der Werdegang und Fortbestand der Menschheit, dieses einzigartigen, einmaligen Planeten, die Zukunft des Lebens liegt in unserer Hand! So lasst uns doch diese Aufgabe mit Würde tragen. Lasst uns diese Herausforderung in Ehren halten! Lasst uns unsere Erde, unseren Ursprung, unser zuhause schützen, pflegen, hüten, bewahren, begleiten und einfach lieben!
Ich für meinen Teil versuche weitgehend alles in meiner Macht stehende umzusetzen und zu praktizieren, damit Leben weiterhin bestehen kann. Ich esse kein Fleisch, kaufe bestmöglich regionale, saisonale, verpackungsfreie und fair gehandelte Lebensmittel, konsumiere bloß das Nötigste, achte mittlerweile auf Herkunft und Produktion meiner Kleidung, fahre viele Strecken mit dem Rad und versuche sowohl Strom als auch Wasser zu sparen… Jeder einzelne kann zwar für sich versuchen, in kleinen Schritten sein Handeln umzustellen, aber die Welt retten werden wir dadurch nicht. Großkonzerne, Politik und Wirtschaft müssen ebenso dazu bereit sein, endlich andere Wege einzuschlagen, auch wenn dies womöglich Verlust und Einbuße bedeutet. Doch wenn wir zusammenhalten und ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, ist es möglich diese Welt zu retten!

Junge Menschen setzten Zeichen, jetzt ist es auch für euch an der Zeit, zu handeln. Wir sind bereit! Das einzige, was wir bloß zu machen brauchen, ist endlich anzufangen! Denn wir wollen keine Welt, die auseinander fällt. Wir wollen eine Welt, die zusammenhält!

Danke Julia.